Aus Nachbarn werden Freunde

(Quelle: SVZ Zeitung für Schwerin und Umland – 29.08.2019)

Anwohner im Wittenfördener Katersteg treffen sich zum Arbeiten, zum Feiern, zur Wellness und zum Sport

Foto: kahe
Katharina Hennes WITTENFÖRDEN Wer in den Katersteg zieht, der bekommt von den Nachbarn nicht nur Salz und Brot. Der bekommt auch eine Katze. Eine Katze aus Blech mit rotem Halsband. Sie ist das Maskottchen der Straße. Jeder hat sie. Sie hängt an der Haustür, an der Dachrinne oder neben der Gartenpforte. Die Katze von Jenny Köhn und Andreas Hetfleisch hat ihren Platz noch nicht gefunden. „Wahrscheinlich kommt sie an die neue Gartenmauer“, sagt er. Das Paar wohnt mit seinen zwei Kindern erst seit kurzem im Katersteg. Der Rostocker hatte erst Zweifel, aufs Land zu ziehen. „Man weiß ja nicht, wo man hinkommt und wie man im Dorf aufgenommen wird. Es dauert auch immer ein Weilchen, bis man richtig ankommt.“ Nicht im Katersteg. Die Nachbarn hier waren sofort da, als Hetfleisch auf seinem Baugrundstück Hilfe brauchte. Als der Kies vom Hänger musste oder die Fensterbänke geliefert wurden.

Zehn Familien wohnen in dem Weg. Jeder kennt jeden. Wenn Frau Schmidt keine Milch mehr hat für die Senfei-Soße, dann hilft Frau Woizeschke aus Haus Nummer 1. Und wenn die Butter bei Familie Stotko alle ist, dann gibts Ersatz aus dem Kühlschrank von Frau Krause. Der Termin mit dem Fensterputzer wird so gelegt, dass er an diesem Tag gleich in allen Häusern der Straße putzen kann. Und auch der Sperrmüll kommt nur einmal, aber dann für alle. Fragen werden spontan in der Whats-App-Gruppe „Katersteg“ geklärt. Letzte Frage im Chat: „Wir müssen unseren Rumtopf fürs Glühweinfest ansetzen. Wer kann Erdbeeren beisteuern?“

Gemeinsam feiern, das machen sie gern. Straßenfest, Glühweinfest, Oktoberfest… Die Frauen aus dem Katersteg fahren im Januar zum Wellnesswochenende nach Bad Bevensen, die Männer treffen sich auf ein Bier im Garten oder auch mal vor dem Fernseher. Sie gehen gemeinsam kegeln und sie spielen Volleyball in einem Team. Wenn im Dorf gefeiert wird, wie neulich auf dem Feuerwehrfest, ist der Katersteg geschlossen unterwegs. „Man erkennt uns an den Katzen-Shirts“, sagt Jörg Rieckhoff. „Das hat gleich mehrere Vorteile. Keiner geht verloren und wenn man einen von uns findet, dann weiß man gleich, wo der wohnt.“ Dass der Katersteg ursprünglich gar nichts mit Katzen zu tun hat, spielt heute keine Rolle. „Früher hieß der Weg Katenweg“, sagt Eberhard Stotko. „Weil hier damals nur eine Kate stand.“ In dieser Kate wohnen heute Anika Hoppe und Paul Zumstrull. Die beiden sind die jüngsten Bewohner im Katersteg und erst am vergangenen Wochenende aus Lübeck in das Fachwerkhaus nach Wittenförden gezogen. Für Anika Hoppe ein Glücksfall. Sie stammt aus dem Dorf. „Der Weg durch den Katersteg war früher mein Schulweg“, sagt sie. Die Entscheidung für das Haus fiel schnell: „Wir haben es Montag gesehen und Freitag gekauft.“ Einzige Bedingung des Vorbesitzers: Jasper darf bleiben. Er lebt seit zehn Jahren in der alten Kate im Katersteg. Jasper ist – wie soll es anders sein – ein Kater.

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